Die geglückte EU-Erweiterung

Die Europameisterschaft 2008 machte uns viel Freude. Denn neben falsch eingeblendeten Hymnentexten und falsch eingeblendeten Flaggen gab es Ergebnisse, um die sich die hohe Politik seit Jahrzehnten vergeblich bemüht.

Nicht die Vogelgrippe hat in uns das große Fieber entfacht, sondern die Europameisterschaft. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die feststellt, dass die negativen gesundheitlichen Kollateralschäden begrenzt geblieben sind.
Natürlich half mir die Erhöhung meiner Ramipril-Blutdrucksenkung und der Einnahme einer halben Aspirin zur Blutverdünnung, dass ich jetzt nicht im Rollstuhl herumgefahren werden muss.

Feindbilder, wo sind sie hin?

Geradezu erschüttert musste ich feststellen, dass diese EM liebgewonnene Feindbilder auslöschte wie der Klimawandel die österreichischen Gletscher. Denn nachdem uns die Engländer den Spaß verdarben, weitere Torwartfehler zu zelebrieren, sollten andere klassische Feinde herhalten ? Holland und die Türkei. Doch es kam alles ganz anders. Die Holländer spielten nicht nur brillanten Fußball, sondern sie foulten und meckerten nicht ? im Gegenteil: Es waren faire Sportsleute, die nicht an die Rijkaards und Koemans der neunziger Jahre erinnerten. Sie schossen viele Tore, kümmerten sich um ihre Kindern ? gesellschaftspolitisch vorbildhaft ? und taten das Wichtigste: sie flogen trotzdem früh raus.
Die Türken, als Treter und Rächer der Schweizer bekannt, mauserten sich zu der Mannschaft mit bahnbrechender Moral. Oft im Rückstand, viele Verletzte aufweisend, zeigten sie einen enormen Willen und gewannen ? fair spielend !!!? viele Spiele.
Hat die liberale Theorie jetzt etwas Recht? Frieden schaffen durch immer mehr Fußball? Fast scheint es so. Und bewegend war die gemeinsame Feier mit den Türken allerorts, die ihre unverdiente Niederlage gegen Deutschland akzeptierten und feiern konnten. Meine Güte, meine Welt, von Carl Schmitt geprägt ? Freund-Feind-Schema und so ? ist ins Wanken geraten… und das ist gut so.

Fußballer sind Diplomaten, Diplomaten sind Fußballer

Nur die UEFA musste sich bürokratisch profilieren ? Hicke und Jogi auf die Tribüne. War dies vorher abgesprochen? Denn der Tribünendiskurs zwischen Jogi und Angie war wunderbar ? eine neue Form intergouvernementaler Zusammenarbeit zwischen Fußball und Politik. Wir sind einfach glücklich.

Eine Ausnahme im Fußball: der Beste gewinnt

Es ist, als ob im Fußball plötzlich Haltungsnoten wie beim Skispringen eingeführt wurden: Der Beste hat tatsächlich gewonnen. Der böse deutsche Teutone mit seinem unbarmherzigen Utilitarismus (=pure Nutzenlehre) kam weit, aber nicht bis zum Ende. Stellt Euch vor, die Piefkes hätten in Österreich gewonnen. Das wäre dann ein unhappy end für die Gastgeber geworden ? und das wollten wir dann doch nicht.

Gastgeber höflich

Die Schweiz, ein neutrales und Österreich, ein fast neutrales Land, haben gute Gastgeber abgegeben. Sie haben sich angestrengt, hatten auf der Hälfte der Abfahrt sogar beste Zwischenzeiten, aber sie rutschten dann ab, indem sie am Zieltor vorbeiführen. Ja, mei, so nett sind sie eben, die Bergvölker. Auf der Streif und am Lauberhorn werden sie wieder zeigen, worin sie Meister sind…
Und wir müssen den Weg in die Wirklichkeit zurückfinden, bis endlich der Spielplan für die neue Bundesligasaison herauskommt…