33 Maßnahmen gegen die Krise (mikroökonomisch)

Kann der Schaden der Wirtschaftskrise für Unternehmen in Grenzen gehalten werden? Ja, meint Hermann Simon, Unternehmensberater und ehemaliger Professor für Betriebswirtschaftlehre an der Universität Mainz in seinem Buch 33 Sofortmaßnahmen gegen die Krise. Der betriebswirtschaftliche Blick auf die Krise hat Einiges für sich, denn auf dem Markt dominieren volkswirtschaftliche Diagnosen und panische Prognosen.

Geschwindigkeit der Krise erfordert Reaktion

Die Hauptthese des Buches scheint simpel, denn sie lautet: In der Krise müssen Unternehmen von lieb gewonnen Langfriststrategien Abschied nehmen und sich rein auf überlebensrelevante Handlungen fokussieren. Diese Annahme wirkt banal, aber sie trifft den Kern. Viele Unternehmen zeigen nicht jene Flexibilität, die nötig wäre, um von dem kleiner werdenden Verteilungskuchen das überlebensnotwendige Stück abzubekommen. Anschaulich zeigt Simon, was für Unternehmen wichtig ist: Wie ein Mensch über eine längere Periode ohne Essen auskommen könne, aber atmen müsse, so könne ein Unternehmen mittelfristig bei Erreichung eines gewissen Deckungsbeitrags überleben. Es sei für ein Unternehmen jedoch tödlich, dringende Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Liquidität zu vernachlässigen, um langfristige Konzepte beharrlich zu verfolgen. So unlogisch handelt kein Unternehmen? Doch, zeigt Simon, leider. Und so wird die ohnehin dramatische Krise weiter verschärft und stürzt manches Unternehmen nicht notwendigerweise in die Insolvenz.

Preisnachlässe gefährlich

Das verständlich geschriebene Buch enthält einige Modellrechnungen zum Thema Preiselastizität. Dieser Indikator zeigt an, inwieweit sich die abgesetzte Menge bei einer Preisreduktion (oder Preisänderung allgemein) verändert. Simon, der über ein hohes Maß an innerbetrieblicher Erfahrung verfügt, zeigt, dass viele Unternehmen in der Krise instinktiv zum Instrument der Preissenkung greifen, um eine eingeplante Absatzmenge aufrecht erhalten zu können. Doch gewinnkalkulatorisch erweist sich dies oftmals als suboptimal. Während ein Absatzeinbruch um 5 % oft hinnehmbar ist, weil die Kalkulationsstruktur zwischen Fixkosten, variablen Kosten und dem Gewinnanteil unverändert bleibt, können frühzeitige Preiszugeständnisse zu unerwünscht negativen Hebelwirkungen in der Gewinnkalkulation führen.

Was in der Krise kaum funktioniert

Betriebswirtschaftliche Ratgeber überschlagen sich gegenwärtig in Bezug auf ?Zukunftsstrategien? für Unternehmen. Innovation, Diversifikation, Erschließung neuer Märkte, vertikale Integration, permanente Qualifizierung der Mitarbeiter sowie verschärfter E-Commerce sind hier top-gerankte Tags. Diese strukturellen Maßnahmen brauchen jedoch so viel Zeit zur Einführung und verursachen zunächst Kosten, so dass die ?Liquiditätsfalle? für die Unternehmen eher noch weiter verschärft wird, meint Simon. Deshalb sind seine Vorschläge für Anpassungen so konzipiert, dass sie das operative Geschäft kurzfristig beeinflussen können.

33 Maßnahmen ? zuerst Kundenbindung stärken

In der Krise ist es vorteilhaft, wenn ein Unternehmen hohe variable Stückkosten aufweist. Hier kann dann die Taktik der Mengenreduzierung effektiv angewandt werden. Von den 33 vorgeschlagenen Maßnahmen überzeugen die Hinweise, die eine verstärkte Kundenbindung betonen. Dabei sollen Kunden eher über Naturalrabatte und Service-Inklusivleistungen überzeugt werden als durch krude Rabatte, die Kosten verursachen und sich kaum von den Konkurrenten unterscheiden lassen. Ebenfalls wichtig ist der Hinweis, dass viele Betriebe, die ihre Mitarbeiter aus Rechtsgründen nicht entlassen können oder wollen, diese einfach innerbetrieblich umschulen können ? vom Innen- in den Vertriebsaußendienst beispielsweise (Insourcing). Der Prozess der Schulung von Insidern ist meist hat sich häufig als günstig und wirkungsvoll erwiesen. Es ist besser, wenn Mitarbeiter neue Felder probieren als ohne Beschäftigung auf ihrer unkündbaren Stellung zu hocken. Dazu sollte natürlich die schwächelnde Konkurrenz genau beobachtet und deren Kundschaft gezielte Angebote gemacht werden.
Die einzelnen von Simon aufgezeigten Maßnahmen sind nicht der ?neueste Schrei? ? in ihrer Überblicksstruktur erlauben sie jedoch ein vernünftiges Abwägen einzelner Maßnahmen. Sie zeigen kurz- und langfristige Erträge und Kosten diverser Betriebsentscheidungen auf.

Praxisnähe

Das Buch erfüllt den eigenen Anspruch in verschiedener Hinsicht. Es ist zügig und verständlich lesbar und bietet Unternehmern schnelle Ansatzmöglichkeiten für Veränderungen in der Krise. Die 33 Maßnahmen überschneiden sich zwar und führen zur ein oder anderen Redundanz, könnten für den einen oder anderen auch zu simpel wirken, aber insgesamt inspiriert der Checklisten-Charakter den wirtschaftlich Handelnden zur Überprüfung der eigenen Be- respektive Vertriebsstruktur. Die Praxisnähe ist die große Stärke des Buches. Nach seinem Bestseller Hidden Champions hat auch dieses Buch das Potenzial für einen weit gelesenen Ratgeber

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