Archiv für Oktober 2008

Diese Wahl ist keine Wahl: Rettet Amerika !!!

Freitag, 31. Oktober 2008

Die USA stehen an einem Wendepunkt. Sie müssen eine Menge verdauen:

  • Als kapitalistisches Musterland den Abstieg traditioneller Ökonomie (was gut ist), weil nachhaltige Prinzipien quasi von außen aufgezwungen werden
  • Der religiöse Fundamentalismus dient nicht mehr als allumfassende Lebensorientierung, sondern wird zum Sektierertum von Rückwärtsgewandten.
  • Die Weltmachtstellung ist im militärischen Bereich zwar noch intakt, jedoch sind auch innerhalb Amerikas kaum noch Bodentruppen mobilisierbar. Es wird nicht mehr als „Ehre“ gesehen, für die Stars and Stripes in militärische Abenteuer zu gehen
  • Die Arroganz der Bush-Administration hat dazu geführt, dass maßgebliche Großmächte wie China und Indien sich nicht mehr um westlich geführte Institutionen wie die WTO oder den IWF kümmern.

Die Welt ist multipolar geworden. Obama kann und soll Primus inter Pares werden. Nicht auszudenken, wenn er nicht gewählt würde. Dann würde sich die Spaltung dieses insgesamt doch wunderbaren Landes fortsetzen. Lasst uns beten, dass Obama gewinnt. Denn es gibt auch einen aufgeklärten Glauben…

Die welt

Tucholsky zur Börse

Donnerstag, 30. Oktober 2008

Wenn die Börsenkurse fallen,
regt sich Kummer fast bei allen,
aber manche blühen auf:
Ihr Rezept heißt Leerverkauf.
Keck verhökern diese Knaben
Dinge, die sie gar nicht haben,
treten selbst den Absturz los,
den sie brauchen – echt famos!
Leichter noch bei solchen Taten
tun sie sich mit Derivaten:
Wenn Papier den Wert frisiert,
wird die Wirkung potenziert.
Wenn in Folge Banken krachen,
haben Sparer nichts zu lachen,
und die Hypothek aufs Haus
heißt, Bewohner müssen raus.
Trifft“s hingegen große Banken,
kommt die ganze Welt ins Wanken –
auch die Spekulantenbrut
zittert jetzt um Hab und Gut!
Soll man das System gefährden?
Da muß eingeschritten werden:
Der Gewinn, der bleibt privat,
die Verluste kauft der Staat.
Dazu braucht der Staat Kredite,
und das bringt erneut Profite,
hat man doch in jenem Land
die Regierung in der Hand.
Für die Zechen dieser Frechen
hat der Kleine Mann zu blechen
und – das ist das Feine ja –
nicht nur in Amerika!
Und wenn Kurse wieder steigen,
fängt von vorne an der Reigen –
ist halt Umverteilung pur,
stets in eine Richtung nur.
Aber sollten sich die Massen
das mal nimmer bieten lassen,
ist der Ausweg längst bedacht:
Dann wird bisschen Krieg gemacht.

Kurt Tucholsky, 1930, veröffentlicht in „Die Weltbühne“

Why I vote republican… Glänzende Ironie… s. unten

Montag, 27. Oktober 2008

  • Wir wählen Republikaner, weil wir uns nicht um die Umwelt kümmern wollen
  • Damit die Leute Angst vor uns Amerikanern haben
  • weil Firmen nicht für Ökologie bezahlen wollen… wenn die Leute sauberes Wasser haben wollen, sollen sie es in der Flasche kaufen…
  • weil wir mehr Minderheiten im Gefängnis brauchen
  • weil ich im Irak bleiben kann
  • weil ich in den Iran komme
  • und so weiter. Und vor allem: weil der Herr selber Republikaner wäre….

Die Finanzkrise – Chance zum Wertewandel nutzen…

Freitag, 24. Oktober 2008

Krisen haben die Eigenschaft, dass bekannte Routinen außer Kraft gesetzt werden. Alte Sicherheiten und Ideale lösen sich auf. Entscheidungen werden notwendig, weil Defizite des bestehenden Systems an die Oberfläche gespült wurden. Entscheidungsträger werden in Frage gestellt, Gefühle der Notwendigkeit von Veränderungen durchdringen breite Bevölkerungsschichten. Einer Krise gehen meist Phasen der Verleugnung, der Verweigerung freiwilliger Veränderungen und eine schleichende Delegitimierung des Bestehenden einher.
Die Finanzkrise zeigt, wie sehr viele Menschen ihre innere Sicherheit aus äußeren und unsicheren materiellen Daseinsvoraussetzungen nehmen. Die materielle Restriktion, aber auch ökologische und psychologische Gesichtspunkte machen eine neue Ordnung erforderlich. Ich widme mich diesem Thema in einer kommenden Publikation Revolution von innen.

Zur Diskussion ethischer Probleme der Gegenwart:
http://ethischer-realismus-workgroup.blog.de/

Für Fußballfreunde:
http://siebeneckeneinaltbier.over-blog.de/article-24050674.html

Die Entgrenzung der Verantwortlichkeit

Mittwoch, 22. Oktober 2008

Was hat die Bankenkrise an die Oberfläche gespült? Welche gesellschaftspolitischen Ableitungen sind aus den Ereignissen zu ziehen? Welche Macht- und Rechenschaftsstrukturen sind hier falsch geaicht?

  1. Der freie Markt ist nicht wirklich frei
  2. Die Lüge vom freien Markt dient den Besitzenden. Dies ist nicht erst eine Erkenntnis von Karl Marx oder von Vertretern der Neo-Version dieses großen Denkers. Nein, es waren schon Bürgerliche, die den radikal-eigentumsrechtlichen Ansatz John Lockes kritisiert haben. Auch Adam Smith ist kein gewissenloser Proponent eines Freien Markt-Prinzips, sondern er bindet in seiner Theory of Moral Sentiments die Markttätigkeit ein in ein Umfeld moral- und normfähiger Akteure. Die Dekontextualisierung des Marktes als Spielplatz freier Kräfte findet erst im 20. Jahrhundert statt und ist mit Namen wie James Buchanan (public choice), Robert Nozick (Ultraminimalstaat) und Gary Becker verbunden. Die „unsichtbare Hand“ des Marktes ist eine schöne Metapher von Smith, nicht aber mehr. Joseph Stiglitz meint gar: Diese Hand ist unsichtbar, weil sie nicht existiert.

  3. Das Aufpumpen von Finanzmarktprodukten
  4. In der Ökonomie herrscht traditionell der Streit vor, ob der Geldmarkt einen autonomen Einfluss auf den Gütermarkt ausübt. Oder ist Geld eine neutrale Sache, die in unparteilicher Weise nur die Wertrelationen zwischen Realgütern anzeigt?
    Diese Frage hat sich durch die Entwicklung von Finanzderivaten ohne Rechenschaftslegung erledigt. Es hat sich erwiesen, dass aufgeblähte, virtuelle Vermögenswerte sehr wohl einen Einfluss auf die Realwirtschaft haben.

  5. Es gab oder gibt nie den freien Markt
  6. Der freie Markt ist noch nie frei gewesen. Denn die Ordnungshüter bestimmen in hohem Maße die Rahmenbedingungen, unter denen Verträge abgeschlossen werden. Das Recht ist von der dahinter stehenden Macht abhängig. Und in den USA waren es die Gründerväter, die den Sklavenhandel als Grundlage der „freien“ bürgerlichen Wirtschaft akzeptierten. Gut, Kinder ihrer Zeit, aber an der US-Rechtsprechung lässt sich zeigen, dass die Besitzer von Grundbesitz oder Produktivkapital stets höchstrichterlich bevorzugt wurden (Nicholson 2004).
    Wir brauchen gar nicht die volkswirtschaftlichen ABCs von Markteintrittsbarrieren, Konzentrationsprozessen, Monopolrenten oder oligopolistischen Absprachen bemühen. Der freie Markt existiert nicht, weil der politische Raum drum herum nicht neutral zu halten ist.

  7. Politischer Schutz für Märkte ist notwendig
  8. Dass Stiglitz und Krugman die Wirtschaftsnobelpreise – ach ja, sie heißen ja anders – erhalten haben, ist richtig. Denn seit Jahren kritisieren sie die Exzesse einer marktimperialen Politik auf globaler, regionaler und nationaler Ebene.

    Mehr folgt…

Terminankündigung Vortrag „Netzwerke und soziale Gerechtigkeit“

Freitag, 17. Oktober 2008

Wann? Montag, 27.10.2008. – 20.00 Uhr

Wo? Gasteig München, Raum 3.142, Rosenheimer Str. 5

Kosten: 4 Euro (bei Finanznot helfe ich gerne)

Können alternative soziale Netzwerke, die im Sinne der APO außerhalb bestehender Machtstrukturen agieren, mithelfen, eine sozialere Gesellschaft umzusetzen? Oder reproduzieren Online- und Offline-Netzwerke nur traditionelle Machtstrukturen und Werte?
Darüber würde ich Ihnen auf Basis verschiedener Theorien, aber auch praktischer Beispiele aus realen Netzwerken und Umfragen diskutieren. Im Schatten der Finanzkrise gewinnt die Frage nach legitimen und illegitimen Netzwerken eine noch größere Brisanz.
Bei Fragen Emails an: dr.rohde@gmx.net

Ordnungspolitische Revolution(en)

Donnerstag, 16. Oktober 2008

Was durch die Finanzkrise geschieht, hat Auswirkungen auf unsere Gesellschaftsordnung und auf unser Demokratieverständnis. Denn die neoliberale Doktrin hat in ihrer radikalen Version ausgespielt. Und der Staat steht wieder im Mittelpunkt gesellschaftstheoretischer Modelle. Auch global governance ersetzt den Staat nicht, sondern ist eine Komponente zur Koordination einzelstaatlicher Maßnahmen.

Abkoppelung der Finanzwirtschaft von der Realwirtschaft

Dem einfachen Händler, Kleinunternehmer oder auch dem Mittelständler wurden Bilanzregeln auferlegt, die sein Handeln verteuerten. Teilweise unsinnige Regulierungen, die die Wirtschaftsdynamik gefährdeten. Aber auf dem bedenklicheren Finanzmarkt, wo die Produkte wenig durchschaubar sind, gibt es zwar Regeln, die aber erstens nicht adäquat sind und zweitens kaum umgesetzt wurden. Der Verantwortungslosigkeit von Managern und Yuppies wurde Tür und Tor geöffnet.

Gesellschaftliche Folgen

Dem Einzelnen Sozialempfänger werden entwürdigende Maßnahmen oktroyiert, während Schlipsträger unangreifbar sind und für ihre Verluste sogar noch hoch „entschädigt“ werden. Dies stellt eine Gerechtigkeitslücke dar, die so nicht hingenommen werden kann und wird. Sollten die Bänker nach der Krise das Rad zurückdrehen wollen, dann wird es zu einer Destabilisierung des Systems kommen. Denn die Zahl der Mitprofiteure dieses Skandals in der Mittelschicht nimmt auch rapide ab.

Wirtschaftliche Folgerungen

Die Maßnahmen, die zu treffen sind, sind vielseitig. Erstens müssen klassische makroökonomische Bilanzierungen wieder in den Mittelpunkt rücken. Die Verflechtungen von Unternehmensformen müssen reduziert und transparent gestaltet werden. Und das Verhältnis von Eigenkapital zu ungesicherten Anlageformen und Derivaten muss sicherer gestaltet werden.

Wehe den Reichen – aktuelle biblische Aussagen

Mittwoch, 15. Oktober 2008

Wohlan nun, ihr Reichen, weinet und heulet über euer Elend, das über euch kommen wird! {Lukas.6,24}
Aber dagegen weh euch Reichen! denn ihr habt euren Trost dahin. Euer Reichtum ist verfault, eure Kleider sind mottenfräßig geworden. {Matthäus.6,19}
Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, da sie die Motten und der Rost fressen und da die Diebe nachgraben und stehlen. Euer Gold und Silber ist verrostet, und sein Rost wird euch zum Zeugnis sein und wird euer Fleisch fressen wie ein Feuer. Ihr habt euch Schätze gesammelt in den letzten Tagen. Siehe, der Arbeiter Lohn, die euer Land eingeerntet haben, der von euch abgebrochen ist, der schreit, und das Rufen der Ernter ist gekommen vor die Ohren des HERRN Zebaoth. {5 Mose.24,14}
Du sollst dem Dürftigen und Armen seinen Lohn nicht vorenthalten, er sei von deinen Brüdern oder den Fremdlingen, die in deinem Lande und in deinen Toren sind, Ihr habt wohlgelebt auf Erden und eure Wollust gehabt und eure Herzen geweidet am Schlachttag

Wer heute noch auf die Werte der Bibel wert legt, ist nicht „in“. Genauso wenig diese soliden Wirtschafter, die wenig Rendite, aber große Konstanz in ihrem Wirtschaften haben. Es ist Zeit, die Werte neu zu definieren, für die es sich zu leben lohnt. Viel zu lange hat sich der Materialismus als dominante Schule erhalten, weil

  • Schwellenländer und osteuropäische Länder nachholen wollen, was sie anscheinend verpasst haben
  • es scheinbar keine Alternativen zu dieser Lebensform gibt
  • ein anderes Denken scheinbar nur von den Verlierern der Globalisierung vertreten wurde
  • Es ist Zeit für Christen, diese Krise zu einer Neuordnung der Gesellschaft zu nutzen. Die Eliten zu Verantwortlichkeit zu verpflichten. Den Begriff Solidarität wieder mit Leben zu füllen.
  • Dann ist diese Krise nicht sinnlos gewesen, sondern ein Schritt auf dem Weg zu einem besseren Leben und einer besseren Welt für Viele. Vielleicht war ER sogar da oben am drehen…

New standards are needed…

Dienstag, 14. Oktober 2008

It is necessary for the US to remember good old lessons that come out of the US itself: That the purpose of political life is not exclusively about the promotion of free markets; that a strong state sets the rules and contexts in which a healthy economy can grow (Krugman, Stiglitz). That an overly militarized nation is no credible witness for the functionality of global democracy; that the values and assets that the West (still) possesses were the product partially of bloody, unhealthy and unrighteous struggles. And it is time to accept that real Christianity is not an ideology of hypocritical consumerism but a lifestyle that expresses real humility and modesty. The world needs an America that goes back to these values…

Krugmans Wirtschaftspreis – ein richtiges Zeichen

Dienstag, 14. Oktober 2008

Paul Krugman geht in die Medien, weil er ein Mann der Überzeugungen ist. Nicht ein Populist, der durch Talkshows rennt. Sein Standardwerk mit Maurice Obstfeld zu internationalen ökonomischen Zusammenhängen zeigt einem die eigenen intellektuellen Grenzen deutlich auf.
Krugman hat in Vielem Recht. In seiner Außenhandelstheorie betont er

  • die herausragende Rolle multinationaler Konzerne
  • den Bedarf an staatlich-strategischer Handelspolitik im Hightech-Bereich
  • die Schutzbedürftigkeit von Industrien in bestimmten ökonomischen Lagen, womit er einem Vulgär-Ricardianismus entgegentritt

Und in diesen politischen Kontexten hat er nicht nur die Rolle des Staates richtig beschrieben, was sich jetzt auf dramatische Weise bestätigt. Er hat auch die Bedeutung der Gewerkschaften für eine gesunde sozioökonomische Entwicklung innerhalb von Staaten (in seinem Nach Bushden USA) klar hervor gehoben.
Nikolaus Piper hat in der SZ eine vernünftige Darstellung von Krugman hinbekommen. Krugman sollte mehr gelesen und beherzigt werden. Aber das erfordert auch einigen Intellekt, den auch wenige Konformisten der Banken und Börse aufweisen…