Archiv für Juni 2008

Die geglückte EU-Erweiterung

Montag, 30. Juni 2008

Die Europameisterschaft 2008 machte uns viel Freude. Denn neben falsch eingeblendeten Hymnentexten und falsch eingeblendeten Flaggen gab es Ergebnisse, um die sich die hohe Politik seit Jahrzehnten vergeblich bemüht.

Nicht die Vogelgrippe hat in uns das große Fieber entfacht, sondern die Europameisterschaft. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die feststellt, dass die negativen gesundheitlichen Kollateralschäden begrenzt geblieben sind.
Natürlich half mir die Erhöhung meiner Ramipril-Blutdrucksenkung und der Einnahme einer halben Aspirin zur Blutverdünnung, dass ich jetzt nicht im Rollstuhl herumgefahren werden muss.

Feindbilder, wo sind sie hin?

Geradezu erschüttert musste ich feststellen, dass diese EM liebgewonnene Feindbilder auslöschte wie der Klimawandel die österreichischen Gletscher. Denn nachdem uns die Engländer den Spaß verdarben, weitere Torwartfehler zu zelebrieren, sollten andere klassische Feinde herhalten ? Holland und die Türkei. Doch es kam alles ganz anders. Die Holländer spielten nicht nur brillanten Fußball, sondern sie foulten und meckerten nicht ? im Gegenteil: Es waren faire Sportsleute, die nicht an die Rijkaards und Koemans der neunziger Jahre erinnerten. Sie schossen viele Tore, kümmerten sich um ihre Kindern ? gesellschaftspolitisch vorbildhaft ? und taten das Wichtigste: sie flogen trotzdem früh raus.
Die Türken, als Treter und Rächer der Schweizer bekannt, mauserten sich zu der Mannschaft mit bahnbrechender Moral. Oft im Rückstand, viele Verletzte aufweisend, zeigten sie einen enormen Willen und gewannen ? fair spielend !!!? viele Spiele.
Hat die liberale Theorie jetzt etwas Recht? Frieden schaffen durch immer mehr Fußball? Fast scheint es so. Und bewegend war die gemeinsame Feier mit den Türken allerorts, die ihre unverdiente Niederlage gegen Deutschland akzeptierten und feiern konnten. Meine Güte, meine Welt, von Carl Schmitt geprägt ? Freund-Feind-Schema und so ? ist ins Wanken geraten… und das ist gut so.

Fußballer sind Diplomaten, Diplomaten sind Fußballer

Nur die UEFA musste sich bürokratisch profilieren ? Hicke und Jogi auf die Tribüne. War dies vorher abgesprochen? Denn der Tribünendiskurs zwischen Jogi und Angie war wunderbar ? eine neue Form intergouvernementaler Zusammenarbeit zwischen Fußball und Politik. Wir sind einfach glücklich.

Eine Ausnahme im Fußball: der Beste gewinnt

Es ist, als ob im Fußball plötzlich Haltungsnoten wie beim Skispringen eingeführt wurden: Der Beste hat tatsächlich gewonnen. Der böse deutsche Teutone mit seinem unbarmherzigen Utilitarismus (=pure Nutzenlehre) kam weit, aber nicht bis zum Ende. Stellt Euch vor, die Piefkes hätten in Österreich gewonnen. Das wäre dann ein unhappy end für die Gastgeber geworden ? und das wollten wir dann doch nicht.

Gastgeber höflich

Die Schweiz, ein neutrales und Österreich, ein fast neutrales Land, haben gute Gastgeber abgegeben. Sie haben sich angestrengt, hatten auf der Hälfte der Abfahrt sogar beste Zwischenzeiten, aber sie rutschten dann ab, indem sie am Zieltor vorbeiführen. Ja, mei, so nett sind sie eben, die Bergvölker. Auf der Streif und am Lauberhorn werden sie wieder zeigen, worin sie Meister sind…
Und wir müssen den Weg in die Wirklichkeit zurückfinden, bis endlich der Spielplan für die neue Bundesligasaison herauskommt…

Fußball mal gerecht…

Sonntag, 29. Juni 2008

Bei dem Finale gab es keine Herzinfarktgefahr. Die Spanier waren einfach besser, so wie die Primera Division besser ist als die Bundesliga. Dennoch brachten die deutschen Spieler nicht den Mut auf, Kraft entgegen zu setzen.
Aber es entsteht etwas im deutschen Fußball. Das spanische Kurzspassspiel war einmalig – sie sind noch nicht konsequent genug, aber die Spanier werden gewaltig mitreden. Spanien und Holland lösen Italien und Frankreich ab. Deutschland wie immer – das Maximale aus den bescheidenen Mitteln gemacht. Dafür muss man auch gratulieren…

Jogi und das Auch

Samstag, 28. Juni 2008

Wie viel Prämie kriegt Jogi Löw wohl für ein auch? Un auch ist seine Wortkombination, die er in jede Syntax bedenklos reinhaut. Sehr sympathisch, aber warum tut er das? Ein Rätsel, an dessen Auflösung wir arbeiten müssen…

Spanien überzeugt gegen ausgelaugte Russen

Freitag, 27. Juni 2008

Wieder einmal macht die deutsche Journaille Spanien zum klaren Europameister. Sie leiten alle alles aus dem Russland-Spiel ab. Dies ist aber unzulässig. Die Italiener sind mit ihrem Mauern ganz schön weit gekommen und hatten sogar 2-3 Chancen zum Sieg. Unschlagbar sind diese Spanier nicht. Aber zugegebenermaßen spielen sie äußerst variabel. Aber Pyuol und der Rechtsverteidiger sind anfällig – wir müssen einfach weiter fleißig Tore schießen, dann werden WIR Europameister….

Was war eigentlich mit… der Todesgruppe?

Donnerstag, 26. Juni 2008

Sie hat getötet, denn alle vier Teilnehmer erreichten nicht das Halbfinale. So kann man sich täuschen – ich auch. Denn der Fußball in der Hinrunde sah gar nicht schlecht aus….

Sehr starke Türken verlieren nur wegen Torwart

Mittwoch, 25. Juni 2008

Man, das war knapp. Cleverness und ein schlechter türkischer Torwart helfen Deutschland. Es war wenig, was glänzte, unverständliche Fehler von Leistungsträgern. Lahm hat seine schwache Leistung durch das Last-Minute-Tor rehabilitiert. Die Übertragungsqualität entsprach dem Niveau des deutschen Spiels. Tore zur rechten Zeit – eine deutsche Stärke trotz schwachen Spiels. Das Finale kann nur einfacher werden. Wieder ein Spiel, dass man gewinnen musste…

Falsche Flaggen, Hymnen und Taktikerklärungen

Montag, 23. Juni 2008

Die Journaille macht die EM noch bunter. Denn es zeigt sich, dass viele Redaktionen selbst bei der EM mit 8-Euro-Kräften arbeiten. Die 1. Strophe der deutschen Hymne vom schweizer Fernsehen gezeigt, Ballack scheisst Österreich raus auf N24, eine falsche Flagge als deutsche bei den Tagesthemen von Tom Buhrow – der Dilettantismus ist groß. Dazu verstehen die Experten nicht den Unterschied zwischen Raute und einem Doppel-Sechser-System. Holy spirit, where did you move? Not in the minds of the Journaille…

Spanien verdient weiter – Catenaccio nicht belohnt – Deutsche Chancen steigen

Sonntag, 22. Juni 2008

Es war Mauerfußball der Italiener, aber auch die Spanier werden es so gegen Russland schwer haben nach dem großen 4:1 im Vorrundenspiel. Die taktischen Zwänge waren groß, Buffon hatte Glück, aber dieses Mal wurde Donadonis Truppe nicht belohnt. Italien muss ein neues Team für 2010 aufbauen. Spanien kann weiter kommen, aber Hiddink spielt gegen eine Truppe, die kaputt ist und die er 120 Minuten sichten konnte. Glückwunsch Espana, aber viel weiter geht es wohl nicht.

Hiddink sagt Holländern: Das wär ihr Preis gewejchen… Wodka-Party steigt

Samstag, 21. Juni 2008

Es war fast vorauszusehen: Der Europameister der Vorrunde vergeigt das Viertelfinale der EM. Dies ist kein Zufall. Denn wer zu gut anfängt, hört schnell schlecht auf. Ashavin ist ein neuer Superstar, die Saenkos und Biljaletinovs haben gezaubert, ballsicher, schnell und trotz fehlender Cleverness gewonnen. Reicht es jetzt für Italien? Schade für gut spielende Holländer, aber es war falsch, die B-Elf ins Rennen zu werfen. Jetzt warten Spanien oder Italien – wohl Italien…

Türken mit Riesen-Moral

Samstag, 21. Juni 2008

Ja, muss man Angst haben vor diesen Türken? Ja, weil hier gesellschaftlich viel auf dem Spiel steht. Nihat kann nicht spielen, Volkan wohl auch nicht. Ich bin jedenfalls der Meinung, dass die Türken kaum eine Chance haben, vom Potenzial gegen Deutschland mitzuhalten.
Aber der Weg ins Finale scheint für die Deutschen zu glatt auszusehen. Ballack in Form, die Doppel-6, Klose trifft wieder, Poldi sowieso in Top-Form und Lehmann wieder sicher. Was sollen die Türken entgegen setzen? Moral und Hamit Altintop? Ja, und wahrscheinlich ihr unerschütterlicher Glaube, Spiele immer noch wenden zu können. Also Vorsicht, es ist noch nichts gewonnen…