Archiv für März 2008

Der arme Huber – ein bayerischer Komödienstadl

Donnerstag, 27. März 2008

Das ist selbst für seine ärgste Feinde zu viel…
Der Vorsitzende Erwin Huber läuft von einer Pleite in die andere. Ein Desaster!
Der Königsmord an Stoiber wird sich noch als teures Unterfangen der CSU erweisen. Denn die Bilanz Hubers sieht trostlos aus:

  • Mit der Bayerischen Landesbank ist es schlimmer als befürchtet, wohl bis zu 4 Mrd. Euro Abschreibungen hinsichtlich der Immobilienkrise
  • Ein fruchtloser Populismus in Bezug auf die Pendlerpauschale, der nach innen nicht geteilt und von außen als reine Rettungsstrategie dekonstruiert wird
  • Die Pleite mit dem Transrapid, den Stoiber durchgesetzt hätte, von dem Beckstein sich aber rechtzeitig distanziert hatte, so dass der Schwarze Peter auch hier bei Huber liegt
  • Und eine Reihe unsicherer, uncharismatischer, atavistischer Medienauftritte
  • Erwin, es tut uns weh, das mit ansehen zu müssen. Wann ist der Horst als Retter da? Oder gar Edi erlöst das bayerische Volk von der Führerlosigkeit…

    Die kapitalistische Krise

    Mittwoch, 26. März 2008

    Hedge-Fonds, Wetten auf Kursentwicklungen – was ist das mit seriösem Aufbau von Kapital als Grundlage für reale Investitionen zu tun?
    Rein gar nichts. Aber das ist ja auch nicht die Absicht der neuen Feudalkaste von Menschen, die sich im Schlips wichtig vorkommen und denen ohne jede charakterliche Grundlage Macht über viele Millionen Schicksale übertragen worden ist.
    Das Problem persönlicher Haftung für die Geldallokation im Banken- und Finanzsystem muss dringend geklärt werden. Denn ansonsten werden auch vom einfachen Bürger die Grundlagen für ein ziviles Miteinander nicht mehr geachtet. Weil es sich nicht lohnt…

    Geheime Gedanken in Bayern: Kommt Stoiber wieder?

    Sonntag, 23. März 2008

    Die CSU ist einer bedenklichen Abschwungphase. Dies ist auf verschiedene Faktoren zurückzuführen. Viele davon sind jedoch das Produkt der machtzentrierten Strategien von Leuten aus dem Führungszirkel selber. Und nur einen kann diese Sache freuen, wenn auch nur als Mensch und nicht als Elder Statesmen: Edmund Stoiber selber.
    Dass der leicht überhebliche Aktenfresser dennoch intelligent, smart und zielgerichtet geführt hat, stellt sich erst heraus, wo er nicht mehr da ist. Deshalb spekulieren Kreise im Hintergrund: Wie würde es wirken, wenn der erfahrene und erfolgreiche Ministerpräsident auf allen Ebenen rehabilitiert wird?
    Denn sowohl der jetzige Ministerpräsident, der sicher wieder gern Innenminister wäre und der CSU-Vorsitzende, der eher ein Sacharbeiter ist als ein Personalchef, haben gravierende Schwächen gezeigt. Die absolute Mehrheit ist in Gefahr.
    Mal sehen, was die nächsten Wochen bringen.

    Die Kraft des Kreuzes und der Auferstehung

    Freitag, 21. März 2008

    In einem Zeitalter, wo sich Religionen als Ideologien leider meist feindlich entgegen stehen, ist eine Rückbesinnung auf die Kraft des Glaubens für das INDIVIDUUM von Nöten. Das heißt: Die Religion muss seiner kollektivistischen, fanatistischen Wirkung entkleidet werden. Dies gelingt nur, wenn ich einen Gott zur Grundlage habe, der MICH persönlich anspricht.
    Es ist wenig hilfreich, wenn der oft weise Papst die Juden offen zur Umkehr auffordert. Dies kann nicht der Weg sein – Mission ist nicht penetrant, willensbrechend, sondern überzeugend, individuell und sensibel.
    Der christliche Glaube hat den Vorzug, dass er eine Botschaft für den Einzelnen ist. Es ist nicht gewollt, dass das Christentum eine politische Bewegung ist. Nicht nur Augustinus und Luther haben die Unterscheidung von civitas dei und civitas terrena geteilt, sondern viele einzelne Christen, die Einfluss genommen haben.
    Das Verhältnis von der Individualethik des Kreuzes Christi und einer Sozialethik ist komplex.
    Dürfen Christen Soldaten sein und andere töten? Muss ein Christ Pazifist sein? Wie sieht es mit zumindest passiver Sterbehilfe aus? Mit Stammzellenforschung?
    Hier ist einerseits eine christliche Moralphilosophie gefragt, die den Einzelnen unterstützt bei seinen Entscheidungen. Aber der Einzelne hat das Gewissen als unbestechliche Instanz (Paulus), der seine Entscheidung vor seinem Gott verantworten muss. Klar, das Christentum ist eine Lehre auch für die Gemeinschaft. Aber dem Individuum gebührt Vorrang. Dies verstehen viele Sekten und Gemeinschaften nicht. In östlichen Religionen wird die individuelle Seele oft nicht so stark betont.
    Christen sind für sich verantwortlich. Aber oft werden Menschen Christen, weil sie nicht für sich selbst verantwortlich sein können. Hier trägt Christus unsere Fehler und Unvollkommenheiten. Deshalb ist er gestorben, damit wir ein Leben haben und eine Zukunft, die über unser kleines, klägliches, anerkennungssüchtiges Dasein der Gegenwart hinausgeht…
    Jesus Christus sei Dank.

    Jesaja 53 sagt (ab 4)
    Fürwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre.
    5 Aber er ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilet.
    6 Wir gingen alle in der Irre wie Schafe, ein jeglicher sah auf seinen Weg; aber der Herr warf unser aller Sünde auf ihn.
    7 Da er gestraft und gemartert ward, tat er seinen Mund nicht auf, wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird, und wie ein Schaf, das verstummet vor seinem Scherer und seinen Mund nicht auftut.
    8 Er ist aber aus der Angst und Gericht genommen; wer will seines Lebens Länge ausreden? Denn er ist aus dem Lande der Lebendigen weggerissen, da er um die Missetat meines Volks geplagt war.

    5 Jahre Krieg im Irak

    Mittwoch, 19. März 2008

    Die Debatten um den Irak-Krieg sind einseitig und moralistisch. George W. Bush ist doch nur eine Marionette in einem System, bei dem das Suchen klar zurechnungsfähiger Feinde zur Staatsräson gehört. Die USA definieren sich selbst als die Guten – wie gefährlich und selbstgerecht ist das.
    Es fällt nicht schwer, ein nachvollziehbares Interventionsmuster in der amerikanischen Außenpolitik zu diagnostizieren. Christopher Layne hat dies bereits vor 9/11 erkannt.
    Deshalb wird sich die US-Außenpolitik auch beim nächsten Präsidenten nicht wesentlich ändern.

    Die Bankenkrise – Indiz für die Abdankung der Politik

    Dienstag, 18. März 2008

    Wie sagten Herr Steinbrück und Herr Huber in getrennten Talk-Shows: „Mit diesen ganzen Anlageformen kenne ich mich nicht mehr aus!“
    Eine beruhigende Sache, oder nicht? Sie haben nicht direkt manipuliert, aber per Gesetz sind sie Hüter der Landesbanken. Es zeigt, dass sich Spekulanten kreative Wege einfallen lassen, um die politischen Kontrollen zu umgehen. Dies ist ein Weg, der so nicht weiter gehen darf.
    Marxistische Denker wie Hilferding haben die Wahrheit über das Finanzkapital schon vor 100 Jahren gepredigt, werden aber diskreditiert. Man sollte sich ihre Lehrbücher aus dem Schrank holen, damit nicht die Habgierigen auf Kosten der Allgemeinheit ihre Abenteuer ausleben können…

    Das Volksbegehren gegen den Transrapid in Bayern

    Montag, 17. März 2008

    Das Volksbegehren ist in mancher Hinsicht ein vernünftiges Instrument. Zwar ist es auf Bundesebene nicht unbedingt tauglich, aber bei Themen, die sich so argumentativ eingrenzen lassen wie beim Transrapid-Thema, ist es ein sinnvolles Unterfangen.
    Bayern hat durch die Verdienste v. a. Strauß‘ und Stoibers eine Transformation vom rückständigen Agrar- zum führenden HighTech-Staat hinter sich. Deshalb sucht man industriepolitische Prestigeprojekte.
    Aber beim Transrapid handelt es sich um ein HighTech-Projekt, dass sich international nicht durchgesetzt hat. Es ist ein Subventionsfriedhof. Deshalb ist eine Förderung kein Katalysator für einen Exportschlager.
    Es gibt viele Gründe gegen den Transrapid:

  • Bei den 1,85 Milliarden Euro wird es wohl kaum bleiben – es könnte ein Fass ohne Boden werden
  • Der Normalmensch fährt einmal damit und fährt dann wieder billigere S-Bahn
  • Sicherheit und rechtliche Fragen sind weit entfernt von einer Klärung
  • Psychologisch gesehen haben die Menschen den Eindruck, dass das politische Prestige teuer bedient wird, der Nutzen für den Normalbürger jedoch gegen Null geht. Also: lieber eine Express-S-Bahn mit WC als ein unsicheres Projekt. Selbst innerhalb der CSU ist das Projekt umstritten. Hier droht eine große Niederlage, die Folgen für die Landtagswahl haben könnte.

    Was sagen die Stichwahlen über die politische Lage in Bayern?

    Sonntag, 16. März 2008

    Persönlichkeiten zählen besonders bei der Kommunalwahl. Natürlich gerade dann, wenn es zu Stichwahlen kommt. Aber hat die CSU auf Landesebene dann nicht ein Problem, wenn die Personalisierung der Politik zunimmt?

    In Ansbach gewann eine Bürgermeisterin, die nicht zu den etablierten Parteien gehört.

    Augsburg zeigt, dass der künftige CSU-Kandidat Gribl Charisma hat und dass Paul Wengert aus den Bürgerentscheiden nichts gelernt hat. Die CSU hat hier flexible Politik betrieben und nicht auf Altbewährtes gesetzt.

    In Würzburg und Passau gab es Siege für die SPD. Die CSU hat herbe Verluste in diesen Städten erlitten. In Straubing konnte die CSU einen SPD-Bürgermeister absetzen.
    In Freising haben die Freien Wähler den Sieg geholt.

    Hans Schaidinger blieb Oberbürgermeister von Regensburg, und dies knapp. Dies hängt mit menschlichen Querelen innerhalb der CSU zusammen.

    Insgesamt aber zeigt es sich, dass die 50+ der CSU ins Wackeln geraten könnte. Denn die Störvariablen für große Mehrheiten sind zahlreich:

  • Die CSU lernt in Sachen Transrapid nicht dazu
  • Der Vorsitzende und der Ministerpräsident sind nur einig in ihrer uncharismatischen Art der Führung. Es liegt eine handfeste Personalkrise vor.
  • Die Freien Wähler, die Linke und andere kleine Gruppierungen vertreten Partikularinteressen, die auf Kosten der CSU gehen werden.
  • Nur die SPD bleibt harmlos und stellt keine Gefahr da.
  • Jedenfalls wird die Luft enger und die CSU wird gut daran tun, von der Arroganz der Macht mehr und mehr zu lassen. Ansonsten wird das bequeme Regieren bald vorbei sein.

    Verfehlte Toleranz gegenüber den Intoleranten – wehrhafte christliche Ethik gefordert

    Freitag, 14. März 2008

    Leider ist der Islam eine Lehre der Schwachen, Ungebildeten, die den Status Quo neiden. Auch, wenn sie mit Details recht haben, ist ihre Lehre des Chauvinismus auf Kriegsfuß mit den Vorstellungen unserer Gesellschaft. Da reichen Kurse in Toleranz nicht aus. Das ist ein ontologisches Problem, kaum lösbar. Aber es ist Dummheit, wenn die Toleranz sich durch übertriebene Ausprägung selbst zerstört, weil sie das Feld räumt für den Intoleranten, für den wirksamere Mittel des Autoritarismus zur Verfügung stehen…
    Das Christentum verfügt über moralische Absolute, die sie aber nicht anderen aufdrückt, sondern lediglich zur Kenntnis gibt (in den USA gibt es sicherlich negative Ausnahmen).
    Aber es muss sich auch zu den Werten der Menschenrechte bekennen. Natürlich gibt es in den heimischen muslimischen Kulturen Selbstbestimmung, so kostenreich sie auch sein mag, aber auf dem Gebiet einer christlichen Kultur müssen die ableitbaren sozialethischen Werte auch durchgesetzt werden.

    Österreich – Opfer oder Täter?

    Donnerstag, 13. März 2008

    Geschichtliche Analysen sind nicht einfach zu bewerten. Es ist wichtig, stereotype Interpretationen zu vermeiden. Der Jahrestag des Anschlusses Österreichs am 12.3. lädt jedoch wieder ein, Österreich in einfachen (amerikanischen) Kategorien zu bewerten.
    Wieso der Jubel beim Einmarsch im Jahre 1938? Ein Anschlussplebiszit von 99,7? Eine ZDF-Dokumentation hat Antworten, die jedoch simpel gedacht sind und das Ziel haben, neben den Deutschen auch die Österreicher ins Boot der absolut Bösen zu holen.
    Und es stimmt: Wien war schon im 19. Jahrhundert sehr judenfeindlich. Und Hitler ist geborener Österreicher aus Braunau.
    Aber es stimmt auch: der österreichische Begriff des Deutschtums hatte nichts mit einer primitiv-rassistischen Ideologie zu tun. Österreich wollte sich 1918 an die Weimarer Republik anschließen, um lebensfähig zu sein und um deutsche Kulturtraditionen zu fördern. Das Land war als Vielvölkerstaat auseinandergebrochen.
    Zu Beginn der dreißiger Jahre hatte Österreich eine eigene Ideologie etabliert. Die Abgrenzung zum Nationalsozialismus war scharf. Die autoritäre Ständediktatur Dollfuß‘ war nicht zu vergleichen mit dem Nazismus. Sie war eine Folge einer Radikalisierung der Gesellschaft durch links und rechts.
    Dollfuß musste sterben und der Putsch wurde 1934 niedergeschlagen. Die Österreicher lehnten sich an Italien an, welches sich jedoch selber Hitler anschloss. Damit war die Völkerbundsgarantie mit Frankreich und England für Österreich hinfällig. Österreich war durch die Tausendmarksperre der Nazis und beständigen Bombenterror selbiger ökonomisch ausgeblutet worden.
    Es gibt viele Gründe, warum Geschichte komplex ist. Die Konstellation um Österreich ist eine solche. Dabei geht es nicht um Moralisieren, sondern um Fakten.