Archiv für Oktober 2007

57. Münchner Pflegestammtisch – biographiebedingte Traumatisierungen

Donnerstag, 11. Oktober 2007

Die heute noch lebende Generation alter Frauen hat in ihrer Lebensgeschichte Krieg, Flucht, Vertreibung und Besatzung erlebt und war dadurch extremen Belastungen ausgesetzt. Sexuelle Übergriffe mussten sie durch Besatzungsmächte ebenso erfahren wie oft in der Partnerschaft.
Diesem beklemmenden Thema widmete sich der 57. Pflegestammtisch im Münchner Löwenbräukeller. Claus Fussek hatte dazu Expertinnen eingeladen. Der Stammtisch war nicht ganz so gut besucht wie normal ? aber ein schöner Herbstabend lässt sich auch angenehmer verbringen als sich mit den persönlichen Tragödien alter Menschen zu beschäftigen.

Kölner Altenpflegerin schonungslos offen

Martina Böhmer aus Köln hat als Altenpflegerin über zwanzig Jahre Berufserfahrung und trat auch schon als Buchautorin in Erscheinung. Sie zeigte in drastischer Weise auf, welchen Einfluss Traumatisierungen in der Biographie alter Frauen hat. Da sich besonders Ehepartner nach dem Krieg einigten, nicht über ihre Erlebnisse zu reden, blieb Vieles im Dunkeln. Verdrängung war für Frauen oft eine Überlebensstrategie. Mit dem Prozess der Demenz kommen emotional unverarbeitete Dinge jedoch wieder an die Oberfläche.

Ein Tagesablauf

Frau Böhmer erzählte den Tagesablauf einer Frau, die nur von weiblichen Pflegerinnen betreut werden wollte. Sie hatte eine vergewaltigungsbedingte Traumatisierung auszuhalten. Trotz des Anliegens der Frau wurde sie oft von einem männlichen Pfleger betreut. Die Frau reagierte darauf, indem sie sich nie mehr entkleidete, sondern immer mit Kleidung vorgefunden wurden, auch nachts. Deshalb wurde sie von Pflegern, die den Hintergrund nicht kannten, zur Pflege gezwungen. Bei der Frau ist der Weg, Schlafstörungen, Medikamentenerhöhung, Sturz und Bettlägerigkeit vorprogrammiert. Hätte jemand den Wunsch nach weiblicher Pflege ernstgenommen und wäre dadurch hellhörig geworden, hätte diese ? hier noch fiktive ? Tragödie verhindert werden können. Die hier beschriebene Frau litt an dem traumatischen Ereignis und wollte sich vor Grenzereignis schützen.

Selbstbestimmung wahren

Die Kölner Altenpflegerin zog folgendes Fazit: Der Wille der Patientinnen ist unbedingt herauszufinden und zu wahren, auch wenn die Dame nicht jeden Tag geduscht werden will. Was waren ihre Gewohnheiten?
Wichtig ist auch, dass die Pfleger den biographischen Hintergrund der Personen kennen, die sie betreuen. Hier liegt ein hoher Ausbildungsbedarf vor.

Münchner Frauennotruf

Simone Ortner, Geschäftsführerin des Frauennotrufes in München, fordert eine Öffnung der Angebote für diese Zielgruppe. Die Frauen über 50 nutzen diese Angebote nicht, weil sie in Verdrängung geschult sind. Oft kommen sie erst, weil Dritte sie dazu gebracht haben.
Seit 1992 gibt es dies Beratungsstelle in München, die wie der Weiße Ring Opferschutz betreibt. Der Frauennotruf bietet telefonische Krisenintervention, aber auch Beratungsgespräche an.

Spezifische Kompetenz für sexuelle Gewalt

Im Zentrum der Beratung stehen Auswüchse sexueller Gewalt, die Folgeerscheinungen zeitigen wie: psychosomatische Beschwerden, Depressionen, Selbstverletzendes Verhalten, Sucht, Prostitution, Wohnungslosigkeit, Vermeidungsverhalten, Dissoziationen und weiteres mehr.
Von den jährlich durchgeführten 500 persönlichen Beratungen finden nur 3 % mit Personen über 60 Jahren statt. Deshalb gibt es eine Vernetzung mit dem gerontopsychiatrischen Dienst. Mit Hilfe von Selbstverteidigungskursen haben die Expertinnen des Frauennotrufs einen sensiblen Kontakt zu Betroffenen herstellen können.

Gerechtere Globalisierung

Montag, 8. Oktober 2007

Joseph Stiglitz, Nobelpreisträger der Wirtschaftswissenschaften, ehemaliger Chefökonom der Weltbank sowie Wirtschaftsberater der Clinton-Administration, hat seinem aufrüttelnden Werk Die Schatten der Globalisierung eine Studie folgen lassen, die es ebenfalls in sich hat. Die Chancen der Globalisierung balanciert Kritik an der bestehenden Globalisierungspraxis mit konstruktiven Veränderungsvorschlägen.

Stiglitz gelingt es, komplexe wirtschaftswissenschaftliche Zusammenhänge für eine breite Öffentlichkeit verständlich darzustellen. Vor allem überzeugt sein Buch durch eine differenzierte Darstellungsweise. Im Gegensatz zu manch anderem (amerikanischen) Autor besteht seine Welt nicht aus gut und böse, sondern aus vernünftigen und weniger sinnvollen ökonomischen Strukturen und Praktiken. Zentral sind Gedanken, die Stiglitz mit Ökonomen wie Paul Krugman teilt: Die Ökonomie funktioniert nur in stabilen sozialen Kontexten. Der Markt muss in klare ordnungspolitische Strukturen eingebettet sein. Mit anderen Worten – der Staat hat bei ihm eine aktivere Rolle als bei den Marktfundamentalisten, die ihm nur eine Nachtwächterfunktion zugestehen.

Kritik an den globalen Wirtschaftsinstitutionen

Der Nobelpreisträger spart nicht mit Kritik an den westlich dominierten Institutionen, die den Anspruch haben, die Weltwirtschaft zu steuern. Besonders der Internationale Währungsfonds (IWF) bekommt sein Fett ab. Denn diese US-dominierte Institution fordert von ihren Mitgliedern extreme Marktöffnungen, die der Binnenstruktur vieler Länder schade und geschadet habe. Die bedingungslose Kapitalöffnung habe die Asienkrise vom Ende der neunziger Jahre ausgelöst, weil Spekulanten ihre Investitionen nur kurzfristig tätigten. Dies habe zu einer Destabilisierung ganzer Volkswirtschaften geführt, weil die Investoren ihr Kapital schnell abgezogen hätten. Die Institutionen wie der IWF, die Weltbank oder die Welthandelsorganisation (WTO) schützten die Interessen großer Kapitalgeber und gefährdeten damit den Entwicklungsprozess vieler Länder.

Gute Beispiele in Asien

Dort, wo der Staat eine aktive Rolle in der Wirtschaftspolitik einnimmt, gelingt die Globalisierung, behauptet Stiglitz. China, Singapur oder Südkorea seien Beispiele dafür, wie eine koordinierte, aber marktfreundliche Industriepolitik zu einem stetigen und sozial verträglichen Wachstum führen könne. Gerade im Bereich Forschung und Entwicklung seien strategische Entscheidungen des Staates von Nöten, von denen die freie Wirtschaft profitieren könne. Etwas sehr positiv zeichnet Stiglitz die Entwicklung Chinas. In den Buch findet sich wenig über die missbräuchlichen Praktiken des kommunistischen Staatswesens in China – Stiglitz nennt hier lediglich die positiven Wachstumspotenziale der chinesischen Wirtschaft.

Eine faire Weltwirtschaftsordnung wird vom Verfasser gefordert. Er belässt es jedoch nicht bei moralischen Imperativen, sondern macht konkrete Vorschläge, wie mehr Fairness zu erlangen sei. Neben einem gezielten Schuldenerlass fordert Stiglitz eine höhere Bewertung von Rohstoffen. Den rohstoffreichen Staaten müsse rechtlich eine hohe prozentuale Beteiligung an den Erträgen der Ausbeutung der Ressourcen garantiert werden. Diese Beteiligung müsse von internationalen Organisationen überwacht werden. In die Kritik geraten amerikanische Konzerne, die auch im Bereich des Patentrechts das KnowHow der Entwicklungsländer ausnutzen, ohne entsprechend dafür zu bezahlen. Beispielsweise lassen sich große US-Pharmakonzerne Wirkstoffe aus Heilpflanzen patentieren, so dass Entwicklungsländer diese nicht mehr – wie Jahrhunderte lang praktiziert – für das eigene Gesundheitssystem nutzen können, und wenn, dann zu horrenden Preisen.

Klimapolitik zentralisieren

Auch in der Klimapolitik diagnostiziert Stiglitz großen Regelungsbedarf. Es sei nicht hinzunehmen, dass gerade die USA als Hauptverursacher des Klimawandels sich so wenig an Maßnahmen zur Verbesserung des Umweltschutzes beteiligten. Hier fordert der Ökonom eine globale Umweltsteuer, die von den einzelnen Nationalstaaten erhoben werden müsse. Bei Verstößen sollten Handelssanktionen von der Staatengemeinschaft verhängt werden können. Das Kyoto-Protokoll hält Stiglitz für nicht weitreichend genug. Aber hier kommt das Problem ins Spiel, das ökonomische Macht regelmäßig das Recht bricht. Wer hat schon den Mut, Handelssanktionen gegen die USA zu verhängen? Wie antworten diese? Wie hoch sind die Kosten? Auch wenn Stiglitz viele Hoffnungen auf die Europäische Union setzt, fragt sich doch, wie die Vorschläge in die Praxis umzusetzen sind.

Soziale Verantwortung der Multinationals

Stiglitz argumentiert intelligent und stringent. Multinationale Konzerne hätten für die globale ökonomische Entwicklung eine bedeutende Rolle gespielt ? Kapital, Expertise und Ideen in die Entwicklungsländer exportiert. Aber er findet auch mahnende Worte. Denn Unternehmen nutzten die Möglichkeiten der Gastländer wie niedrige Löhne, niedrige Sozialstandards und Kinderarbeit teilweise schonungslos aus. Auch Kapitalhaftungsstandards beschränkten sich oft unzulässigerweise auf die Gastländer. Hier seien die Konsumenten gefragt, die den Raubtierkapitalismus skrupellos praktizierenden Konzerne durch Konsumboykotte abstrafen sollten. Die Politik müsse aber Anreize für die Konzerne zu Wohlverhalten geben: ?Es kommt auf die Anreize an, und sowohl die nationalen Regierungen als auch die Staatengemeinschaft müssen sich intensiver darum bemühen, die Anreize für Großunternehmen besser auf die Anliegen derjenigen auszurichten, die vom Handeln der Konzerne betroffen sind ? insbesondere in den Entwicklungsländern…?

Wichtige Stellungnahme

Stiglitz? Buch ist anspruchsvoll und einfach zugleich. Diese gelungene Synthese macht es zu einem Meilenstein auf der Suche nach einer besseren Version der Globalisierung. Zwar wirken manche seiner Vorschläge etwas illusorisch – als Ausgangspunkte für weitreichende Diskurse sind sie jedoch sehr gut geeignet. Deshalb ist die Abhandlung für ein breites Publikum zu empfehlen, vor allem aber auch für ökonomische Praktiker.

Stiglitz, Joseph,
Die Chancen der Globalisierung,
(2006), München, Siedler Verlag, München,
448 S., ISBN 978-3-88680-841-6. 24,95 Euro

Der Ausverkauf von Sicherheit

Montag, 8. Oktober 2007

Der Konflikt um die im Irak tätige amerikanische Firma für Sicherheitsdienstleistungen, Blackwater, hat noch einmal klar ins öffentliche Bewusstsein gebracht, dass die globale Rolle der Privaten Militärdienstleistungsfirmen (PMC) und Sicherheitsdienstleistungsfirmen (PSC) rechtlich und politisch erst geklärt werden muss. Der US-Kongress hat Anfang Oktober 2007 erstmals die Bestrafung von Mitgliedern privater Sicherheitsfirmen auf eine legale Grundlage gestellt.
Da kommt der Sammelband von Thomas Jäger und Gerhard Kümmel zu diesem Thema gerade zur rechten Zeit. Das Thema wird von verschiedenen Experten aus vier verschiedenen Perspektiven dargestellt. Die Geschichte und Entwicklung der PSC führt in die komplexe Thematik ein. Darauf folgen ausgewählte Fallstudien sowie ein Überblick über Probleme und Perspektiven der PSC. Abschließend werden Rechtsfragen und Regulierungsmöglichkeiten diskutiert und evaluiert.
Von besonderem heuristischem Wert ist die Tatsache, dass die Entstehung und Entwicklung der PSC in den Kontext der Entwicklung des internationalen Systems integriert wird. Denn damit wird ausgeschlossen, dass es sich hier um ein Modethema der Fachforschung handelt.
Die Entstehung der PSC ist eng mit dem aufkommenden Welthandel in der frühen Neuzeit verbunden. Zwar gab es auch in der Antike und im römischen Reich bereits Söldner, doch Carlos Ortiz verdeutlicht in seinem Beitrag zur Geschichte und Genese der PSC, dass eine zentrale Bedingung zur Entstehung dieser Organisationsform erfüllt sein musste – die Existenz multinationaler Firmen (MNC). Daniel Kramer führt diesen Gedanken in seiner ?komparativen Analyse privater Militäreinheiten? weiter. Die Entstehung des globalen Handelssystems führt er nicht nur auf die Entstehung des Westfälischen Staatensystems (1648) und die Herbeiführung des Bürgerstaates durch die Französische Revolution (1789) zurück, sondern ebenso auf die Rolle von MNC wie der English East India Company oder Dutch East India Company. Denn die Entstehung des internationalen Staats- und Handelssystems ist für Kramer eng verbunden mit der Gewaltanwendung privater Akteure in neu erschlossenen Kolonien. Staat und MNC sind dabei durch strategische Allianzen miteinander verbunden. Die East India Company hatte 150 Jahre lang eine eigene Armee, die größer war als die britische Armee. Deshalb war sie vom Mutterland auch nicht mehr zu kontrollieren. Nicht immer gingen die Interessen des MNC und des kolonialisierenden Staates Hand in Hand. Insgesamt aber waren MNC mit ihren militärischen Einheiten unerlässliche Faktoren für Großbritannien und andere große Mächte zur Erreichung globaler Machtprojektion.
Dieselbe Kalkulation ist bei Staaten des 21. Jahrhunderts vorzufinden. Die Privatisierung von Sicherheitsdienstleistungen dient zahlreichen Akteuren im globalen System. Erstweltländer können durch den Einsatz von PSC eigene politische Risiken minimieren, Kosten sparen und haben einfache Exit-Optionen, indem sie Verträge einfach nicht verlängern. Die Regierungen in schwachen Staaten haben die Möglichkeit, mit Hilfe dieser MNC den gesellschaftlichen Status Quo zu sichern und externe Bedrohungen abzuwehren. Zwar werden PSC auch im Falle humanitärer Interventionen von Erstweltländern eingesetzt, doch Kramer macht zwei Hauptmotive aus, die deren Einsatz interessenbezogen legitimieren: (1) die Absicherung hochvolumiger Investitionen und Rohstoffbasen und (2) die Stabilisierung von failed States, um die Existenz von Refugien für Terroristen abzuschrecken.
Insgesamt verdeutlicht das Gros der Beiträge des Sammelbandes die Tatsache, dass PSC die globalisierungsbedingte Entlastung des Staates durch multiple Formen des Outsourcing widerspiegeln.
Die inflationäre Entwicklung des Sektors Private Dienstleistungen kann zu einem erheblichen Teil auf die Friedensdividende nach Ende des Ost-West-Konflikts zurückgeführt werden, also der massiven Verkleinerung staatlicher Militäreinheiten. Dadurch wurden in vielen Ländern Arbeitskräfte für den Sicherheitssektor frei. Dies ist soziologisch problematisch, weil viele Mitglieder von Militärorganisationen außer der rohen Anwendung von Gewalt nicht viel gelernt haben. Auf der Nachfrageseite kommt das zunehmende Engagement durch Nichtregierungsorganisationen sowie die Etablierung zivilmilitärischer Konzepte hinzu. Hier können PSC durchaus eine Rolle spielen bei der Herstellung von Sicherheit, wie Kathrin Herbst verdeutlicht. Gerade humanitäre Gruppen, die in schwachen Staaten agieren, benötigen militärischen Schutz, den sie allein nicht gewährleisten können.
Die UN sind die einzige Institution, die das Problem kollektiven Handelns zumindest der Theorie nach aufheben können. Dieses Problem impliziert den Mechanismus, dass individuelle staatliche Akteure bei der Herstellung von globaler Sicherheit versuchen, als Trittbrettfahrer die Kosten der kollektiven Aktion zu vermeiden. Und in der Tat sind die politischen und finanziellen Kosten von Interventionen zur Friedenserhaltung hoch, meint Alrik van Berg in seinem Beitrag ?Effective Peacekeeping and the Privatisation of Security?. PSC und PMC könnten Aufgaben übernehmen, die die Armeen von Nationalstaaten nicht so effektiv bewältigen könnten. Sie fänden ? agierend unter einem UN-Mandat – weit eher die richtige Balance von Legitimität und Effektivität als klassische Staaten. Staaten könnten dann wenigstens an der Finanzierung von Interventionen partizipieren.
Denn Staaten intervenieren meist nur dort, wo sie vitale Interessen innehaben. Die Zahl humanitärer Krisen nimmt dagegen zu. Aufgrund dieses Zusammenhangs stellt sich die Frage, unter welchen Bedingungen PMC oder PMS diese Lücke füllen können. Das Versagen der UN in Ruanda und Jugoslawien ist vielen politisch Verantwortlichen noch deutlich vor Augen. In mehreren Beiträgen wird in diesem Kontext die These vertreten, dass Staaten den Einsatz von PMC als Substitution für eigene Interventionskonzepte nutzen. Liberale Normen drängen Staaten dazu, im Falle akuter Menschenrechtsverletzungen in bürgerkriegsgeschüttelten Staaten ?etwas? zu tun, wie Martin Binder glaubt. Staaten umgehen dann die teuren Kosten, eine offizielle politische Intervention vor der eigenen Öffentlichkeit rechtfertigen zu müssen. Des Weiteren ist in diesem Falle nur eine kleine soziale Gruppe betroffen, die Kosten sind weitaus geringer. Und Todesopfer von Angestellten von PMC treffen die Öffentlichkeit weit weniger als der Verlust regulärer Truppen. Der Widerspruch zwischen einer humanitäre Interventionen befürwortenden konstruktivistischen und einer diese ablehnenden rationalistischen Logik wird durch das Artefakt der PMC provisorisch gelöst.
Weitere Beiträge thematisieren das Problem der demokratischen Kontrolle bei der Finanzierung und dem Vorgehen von PMC und PCS. Welche Zertifizierungsformate für Firmen sind notwendig, um Menschenrechtsverletzungen und andere Formen von Missbrauch zu verhindern? Aber auch die militärischen Implikationen werden behandelt: Welche sensitiven Informationen dürfen von staatlichen Militärs an Contractors weiter gegeben werden ? mit welchen taktischen und strategischen Folgen?
Letztlich, so machen die Herausgeber deutlich, können PSC Segen oder Fluch sein. Dies hängt von individuellen Kontexten ab. Jedoch reflektiert die Privatisierung von Sicherheit die Veränderungen in den Beziehungen von Staat und Gesellschaft einerseits und von Staat und Individuum andererseits. Damit wird auch deutlich, so Jäger/Kümmel, dass es sich hier um kein temporäres Phänomen handelt, sondern um einen Gegenstand, der intensiverer Erforschung bedarf. Und mit diesem anspruchsvollen und multiperspektivisch strukturierten Sammelband haben deren Autoren bereits einen wesentlichen Schritt in die richtige Richtung getan.