Archiv für Juni 2007

Borussia Mönchengladbach – menschliches Disaster

Samstag, 30. Juni 2007

Wenn im Leben Dinge schiefgehen, dann kann man auf verschiedene Weisen mit diese Niederlagen umgehen. Man kann eine Zeit trauern, Ursachen suchen, lamentieren, aber dann wieder aufstehen und weiterziehen. Man kann gleichgültig darüber hinwegsehen und weitergehen, ohne etwas gelernt zu haben. Und man kann blame-shifting betreiben und alle für seine Situation verantwortlich machen, nur nicht sich selber.
In Mönchengladbach galt mal das Wort der Fohlen-Familie. Menschliche Dinge gingen vor ökonomischen und sogar sportlichen Erwägungen. In den letzten Jahren hingegen hat man Spieler abgesägt, Trainer diskreditiert, Manager schlecht gemacht und Fans haben das Leben des Personals bedroht. Was ist aus meiner Borussia geworden?
Der Abstieg ist nicht das Schlimme. Das kommt in der besten Familie vor. Aber diese Mentalität des Blameshifting tötet den Verein.
Dieses Draufhauen auch auf einzelne Spieler in Foren und der Presse scheint mir dermaßen daneben. Vielleicht gibt es Typen, die ihre Charakterschwächen haben. Ich denke an Mill und Dahlin. Die wurden allerdings in einem intakten Kontakt aufgefangen. Bei uns ist das Krebsgeschwür menschlicher Verfehlung so tief, dass auch integre Leute wie Jansen letztlich den Nerv gezogen bekommen haben. Traurig genug!
Ich bin sehr betroffen über diese George Bush-ähnliche Sonck-Bashing Mentalität, der jetzt wohl nach Villareal geht.
Was war mit Strasser, Melka, NOK, Thys, Degen, Delura, Ze, Bo? Wollten die alle wirklich nicht? Waren das alles Schwächlinge?
Oder gibt es nicht ein düsteres Geheimnis, das tiefer liegt? Der Hund liegt nicht in Baskerville, sondern in Mönchengladbach.
Es gibt unter Gladbach-Fans einige, die in großen Kontexten denken. Aber diese Verteufelungen von Seiten Vieler sind traurig. Sie spiegeln, dass Fans und Vereinspolitik gleich tief gesunken sind.
Sorry, aber ich hoffe, von diesem einmaligen Nullpunkt, den ich nicht an der 2. Liga festmache, gibt es ein Wiederaufstehen…
Es geht darum, wieder an einem Strang zu ziehen – in schlechten wie in guten Zeiten. Fußball erzählt so viel übers Leben – man sollte es nicht unterschätzen.

Polen als trojanisches Pferd der USA

Samstag, 23. Juni 2007

Man sollte nicht vergessen, durch wen die neuen europäischen Mitgliedsländer ihren Wert erhalten. Sie sind trojanische Pferde der USA. Die USA hat kein Interesse an einem stärkeren Europa – sie halten Europa uneinig durch den Bilateralismus, mit dem sie agieren.
Davon hört und sieht man in der Presse nichts. Angela ist eine gute Aussitzerin – ganz im Stile ihres Ziehvaters Helmut Kohl. Aber mehr geht wohl nicht – kein Vorwurf!
Doch keine Illusionen – in harten makropolitischen Fragen zählen nur die Nationalstaaten. Nur ein Angriff auf ganz Europa könnte die EU wirklich vereinigen. Klassische Allianztheorie. Noch geht es allen zu gut, dass sie unilateral agieren können.
Glücklicherweise wurde der Begriff Verfassung fallen gelassen. Eine einheitliche Identität wird es nicht geben. Damit wäre der Begriff Verfassung verheizt worden.
Man sollte Polens Verhalten bei den neuen EU-Strukturfonds-Verhandlungen dringend berücksichtigen.

Seehofers Heuchelei

Donnerstag, 21. Juni 2007

Seehofer hat sich selbst zum Vorbild der klassischen Familie machen lassen – von der Bild-Zeitung. Diese perfide Heuchelei ist nicht erträglich. Das wird in den Medien nicht thematisiert. Hier liegt die Krise. So schlechte Vorbilder führen dazu, dass die CSU wohl zu 50-X kommen wird. Die Linkspartei und die Grünen werden schon einige Prozente abnehmen.
Bevor die große Grundwertekommission Sprüche loslässt, sollte man sich seiner Werte noch einmal vergewissern und schlechte Vorbilder aus dem Rennen nehmen. Nur dann wird die CSU wieder in ruhige Fahrwasser kommen.
Dass die Medien die Geburt seines Kindes aufgreifen, ist klar. Aber Seehofer, der nach seinem Herzinfarkt geläutert und demütig schien, ist machthungriger denn ja. Mit ihm wird die CSU nicht mehr glücklich.

Die Gefahren in Pakistan

Montag, 18. Juni 2007

Die Lage in Pakistan wird immer prekärer. Die Macht droht in Richtung auf die Islamisten zu kippen, die von den Taliban unterstützt werden und diese wiederum in Afghanistan stützen. Musharraf wackelt und jüngste Tod von 7 Kindern in einer Schule in Afghanistan wird die Wut der Islamisten weiter anstacheln. Wird die Atommacht Pakistan islamisch? Bis jetzt haben die Militärs die Lage im Griff gehabt. Wie verhalten sich die USA? Was können sie tun? Wie verhält sich China, falls die USA dort eingreifen sollten?
Und welche Implikationen hat das Ganze für Afghanistan?
Für die ISAF-Truppen kann es nur darum gehen, Parzellen wie Kabul zu schützen. Es hat keinen Sinn, ein Land pazifizieren zu wollen, dass ständig von außen infiltriert wird. Ein nicht lösbares Dilemma…

Linke bringt SPD in Schwierigkeiten

Samstag, 16. Juni 2007

Schlimmer kann es für die SPD nicht kommen. In der Koalition fallen sie an Aufmerksamkeit zurück, weil Angela Merkel ihr außenpolitisches Profil schärfen kann. Innenpolitisch leidet die SPD an der Agenda 2010 Schröders, auch wenn diese mittelfristig Frucht trägt. Dies ist das Irrationale an der Politik, dass sie die time lags nicht berücksichtigt.
Aber Gregor Gysi und Oskar Lafontaine besetzen ein Vakuum, das zwischen den Folgen der Globalisierung und der nachlassenden politischen Steuerungsfähigkeit klafft.
Persönlich kenne ich arbeitsmarktpolitisch und seelsorgerisch sehr engagierte Linke, die zu Unrecht als Staatsfeinde gebrandmarkt werden. Altgestrige gibt es in jeder Partei. Insgesamt braucht das Land diese Linke, die jetzt wohl einige West-Landtage besetzen wird. Diese Partei ist aber viel systemangepasster als die Sprüche erwarten lassen. Deshalb: Keine Angst, sondern setzt Euch mit den neuen Genossen auseinander, ihr alten Genossen!!!

Das Raketenabwehrsystem der USA

Sonntag, 10. Juni 2007

Die Farce des G8-Gipfels zeigt sich bereits in der Frage der US-Raketenabwehr. Kaum ist Bush vom Gipfel weg, bleibt er bei seiner Linie. Klar, was wollen die USA? Sie wollen die strategische Zweitschlagsfähigkeit der anderen Mächte entwerten und die Raketensysteme so stationieren, dass sie globale Allianzen schmieden. Der weitere Vorteil: man hindert die EU daran, ein autonomer sicherheitspolitischer Akteur zu werden. Denn die USA gehen systematisch an das New Europe heran, um die alten europäischen Mächte in der EU-Struktur zu schwächen. Das ist eine Politik der Hegemonie, die ein schwaches Europa will.

Der G8-Gipfel als Farce

Freitag, 8. Juni 2007

Keine Substanz

Der G8-Gipfel hat wieder einmal bewiesen, dass Darstellungspolitik mehr zählt als die Benennung der realen Macht- und Interessenpositionen. Und Angela Merkel hat den Gipfelteilnehmer deklaratorische Ziele abgerungen. Wenn Worte dann auch soziale Wirklichkeit konstruierten, wie das deutsche Schöngeister proklamieren, dann wäre ja alles in Ordnung. Aber die realen Interessenkonflikte erweisen sich erst im Detail, im Konkreten. Und da werden die Akteure ihre Klimazahlen durchsetzen, ihre Sicherheitspolitik verfolgen, ihre Ölwaffe benutzen und ihren Willen behalten.
Es hat sich gezeigt, dass das Modell global governance ein Elite-Modell ist, das zu Widerstand verlockt. Aber noch profitieren zu viele von der Wachstumsideologie, als dass ernsthaft aggregierte Widerstand da wäre. Denn zu marktwirtschaftlichen Prinzipien gibt es keine Alternative.
Aber es gibt Alternative zu deklaratorischer Verlogenheit…